Neue Kunden, neue Probleme: Üblicherweise erhalte ich bei meinen Kunden über das Intranet Zugang zum Internet und kann eine VPN-Verbindung oder wenigstens eine SSH/SSL-Verbindung aufbauen, damit ich mein IMAP-Postfach auf sicherem Wege erreichen kann. Dieses Mal wurde ich leider jedoch komplett ausgesperrt – nur Port 80 war erlaubt – und für mich ist ohne Emails zu leben wie für andere ohne zu atmen. So war mein erster Entschluß gefasst: die Firewall durchbrechen und meine Verbindungen durch diese hindurch nach außen zu bringen.
Ich hatte soetwas schon einmal während meiner Universitätszeit gemacht, als die Systemadministratoren beschlossen unser Wohnheim benötige nur die Ports 80 und 21. Und so war mein erster Gedanke nun auch dieses Mal ein SOCKS-Tunnel.
Einrichten des SOCKS-Tunnel
nachdem ich google nach SOCKS durchsucht hatte fand ich eine häufig empfohlene Implementierung von SOCKS5: Dante
Außerdem gibt es eine sehr nette Übersicht über verschiedene Implementierungen auf wikipedia: http://en.wikipedia.org/wiki/SOCKS
Installation
Die Installation ist sehr einfach: Unter SuSE findet man ein passendes rpm welches einfach installiert wird, unter FreeBSD findet man Dante in den ports (cd /usr/ports/net/dante/; make; make install ). Interessanter wird nun die Konfiguration von Dante, die ich heute erklären möchte (ich habe nirgendwo ein HowTo gefunden und mußte deswegen die gesamte Dokumentation lesen):
Konfiguration
Das config-file findet man unter /etc/sockd.conf (/usr/local/etc/sockd.conf unter FreeBSD). Dieses muß in der folgenden Weise angepasst werden:
#Logfile fuer Dante konfigurieren
logoutput: /var/log/dante.log
#IP und Port auf der Dante fuer eingehende Verbindungen warten soll
internal: <IP address of your dante server> port = 80
#IP/Interface welches Dante ausgehend benutzen soll
#Name des Interface erhaelt man ueber ifconfig
external: eth0
#Alternative: >external: <IP address that should be used>
#Authentifizierung: deaktiviert, da eine statische IP-Adresse authentifizierung genug ist.
method: username none
#unprivileged user
user.notprivileged: nobody
Soviel mal zu den Grundlagen – nun zum interessanten Teil:
#Wer darf den SOCKS-Tunnel konnektieren?
client pass {
from: <your ip here>/32 port 1-65535 to: 0.0.0.0/0
}
#Loopback darf ebenfalls den Tunnel verwenden
client pass {
from: 127.0.0.0/8 port 1-65535 to: 0.0.0.0/0
}
#Alle anderen nicht
client block {
from: 0.0.0.0/0 to: 0.0.0.0/0
log: connect error
}
#Nach erfolgreicher Verbindung: wohin darf konnektiert werden?
#Loopback darf niemand von aussen konnektieren
block {
from: 0.0.0.0/0 to: 127.0.0.0/8
log: connect error
}
#Verbindungen von aussen an den Client sind erlaubt
pass {
from: <your ip here>/32 to: 0.0.0.0/0
protocol: tcp udp
}
pass {
from: 127.0.0.0/8 to: 0.0.0.0/0
protocol: tcp udp
}
#Der Rest wird geblockt
block {
from: 0.0.0.0/0 to: 0.0.0.0/0
log: connect error
}
Kleiner Hinweis: dieses Beispiel erlaubt den Zugang von einer IP-Adresse (/32) aus, selbstverständlich kann auch von mehreren aus der Zugang erlaubt werden. Wer mit dem Subnetting und der Slash-Notation kämpft, der findet hier eine passende Hilfe: Subnet Cheat Sheet
Starten von Dante
nach dieser recht einfachen Konfiguration sollte der Dante-Dienst ohne Probleme sich starten lassen über folgenden Befehl:
/etc/rc.d/sockd start
(Unter FreeBSD muß zuerst sockd_enable=”YES” in die /etc/rc.conf eingetragen werden, und dann der Befehl: /usr/local/etc/rc.d/sockd start ). Ab jetzt kann man im Logfile /var/log/dante.log zusehen was passiert.
Ok – damit kommen wir zum komplizierten Teil: OS X davon zu überzeugen mit SOCKS5 zusammenzuarbeiten.
OSX mit dem SOCKS5 Tunnel nutzen
Als erste (und nicht erfolgreiche) Idee kam mir, dies über die Systemeinstellungen unter Netzwerk zu konfigurieren. (Systemeinstellungen öffnen, Netzwerk und dort “Weitere Optionen” anklicken, dann auf den Reiter “Proxies”. In diesem Fenster den SOCKS Proxy aktivieren und die IP des Servers und den zugehörigen Port eintragen; die Änderungen speichern und aktivieren.) Leider helfen diese Einstellungen nur bei Cocoa and WebKit-basierten Programmen (und da selbst diese Applikationen nicht alle die Systemeinstellungen benutzen ist man hier auch nur zu 95% abgedeckt).

Screenshot Systempreferences network german
Thunderbird und Firefox zum Beispiel benutzen nicht die Systemeinstellungen. Beide Programme kann man so konfigurieren, daß sie einen SOCKS-Tunnel benutzen, aber um ehrlich zu sein: Ich habe keine Lust an jedem Ort wo ich hinkomme meine Programme neu zu konfigurieren bevor ich arbeiten kann. Deswegen machte ich mich auf die Suche nach einem generellen SOCKS-Proxy für OS X.
Nach einigem Suchaufwand konnte ich Proxifier finden – ein kommerzielles Produkt welches leicht zu installieren, konfigurieren und mit nur ein paar Klicks zu benutzen ist. Außerdem gibt es auch eine Version für Windows und ich denke (getestet habe ich es nicht), diese wird ebenso gut funktionieren wie die Mac-Variante für OS X.
Die Konfiguration ist sehr einfach und benötigt die ausführliche Dokumentation auf der Homepage von Proxifier eigentlich nicht. Für dieejenigen, die gerne Dokumentationen lesen und sich somit besser fühlen: Hier ist die Anleitung für OS X zu finden: http://www.proxifier.com/mac/documentation/ProxifierHelp.html
Nachdem Proxifier gestartet und konfiguriert ist war ich direkt wieder online – unter “umgehen” der Firewall meines Kunden indem nun aller Datentransfer über den Port 80 “geroutet” wird.
ACHTUNG: Dante und SOCKS ist nicht mit einem VPN zu verwechseln (auch wenn es sich so anfühlt)! Der gesamte Datenverkehr läuft unverschlüsselt und kann mit jedem Packetsniffer im Klartext mitgelesen werden!
Tweet This Post